Reisen

Die aktuellen Reisetermine für 2020
Teilnehmerzahl ist begrenzt

9.Februar – 1. März 2020
Winterreise zum Baikalsee und in die Mongolei bis in den Hohen Altai / mit 
Transsib. 

Flug ab Zürich oder ab Berlin nach Moskau
transsibirischen Eisenbahn bis Irkutsk. Von dort mit Galtai weiter zum Baikalsee mit dem Kleinbus bis nach Ulaanbaatar.
Flug UB-Oelgi-UB/ Weißmondfest der Nomaden erleben/WinterlagerRückflug nach Zürich oder Berlin
Kosten: 5.500 pro Person inkl. Flüge und Bahnfahrt 

21.Juni – 12. Juli       Altaireise / mit der Gruppe von Barbara Simeon/ gleich wie Reise in den Altai
Kosten: 3.500 Euro pro Person

12.Juli – 2. August    Reise in den Altai mit Galtai Galsan / Hauptreise
Kosten: 3.500 Euro pro Person

9. – 27. August           Komfortreise in der Zentralmongolei / Treffen mit Galsan  Tschinag
Flug von Frankfurt oder Berlin nach Ulaanbaatar
Übernachtung im Hotel und in Camps
Busfahrten über Wüstensand nach Karakorum – Hauptstadt des Mongolischen Reiches (1235-1260).
Treffen mit Galsan Tschinag in der Natur/ Einzeltermine möglich
Kosten: 4.650 Euro pro Person

30. August – 20. September      Reise zum Herbstlager der Nomaden/ Reise in den Altai/ Herbstlager/ Reiten und Autoausflüge in die Landschaft/
Kosten: 3.500 Euro pro Person

27. September – 11. Oktober      Adlerfest im Altai mit Galsan Tschinag
Flug: Berlin-UB-Berlin
Flug: UB-Oelgi-UB
Adlerfest der Kasachen/ Jagen mit Adler/ Besuch der Nomaden im Winterlager/ Übernachtung im Jurtencamp in Oelgii
3.500 Euro pro Person

Alle Informationen zu den limitierten Reiseangeboten finden Sie hier. Für weitere Fragen und Informationen wenden Sie sich bitte an Galsan Tschinag’s Sohn Galtaikhuu Galsan:

per Mail <galtaikhuu@galsan.info>

oder telefonisch: 00976 99 095547
bis Januar in Deutschland unter: 01625274790

Folgende Reisen werden angeboten (für Details bitte auf die jeweilige Reise klicken):

REISE IN DEN ALTAI (für weiter lesen hier drücken) 

Unserer Reisegruppe werden maximal 20 Menschen angehören.

Sie starten in Berlin/Frankfurt (abhängig vom Sommer-Flugplan von MIAT) und landen nach einem etwa 9 – stündigen Flug in der Hauptstadt der Mongolei, in Ulaanbataar…. Teilnehmerzahl ist begrenzt…. (zum Weiterlesen klicken Sie bitte oben „Reisen in den Altai“ in blau)         

 

Ein Reisebericht von der Frau Ute Lösch über die Reise in den Altai mit GTS 2019

Mit der Galsan Tschinag Stiftung zu Besuch bei den Tuwa Normaden im westlichen Altai Gebirge.
Zunächst ging es per Flug 2000 km von Ulan Bator gen Westen in die Provinz-Hauptstadt Ölgij und dann 120 km entlang einer heftigen Piste (eine offiziell eingezeichnete Strasse) noch mal weiter nach Süd-Westen Richtung Chinesische Grenze ins Kharagana-Tal bis zu unserem Camp auf 2600m. (https://goo.gl/maps/56GdjyQuasgPDN8PA)
Gefahren wurde wieder im inzwischen bekannten Russenbus und unterwegs durften wir uns schon über die ersten Yak-Herden freuen. In der ersten Woche war auch Galtais Frau und seine Kinder mit dabei.
Die kleinen Yaks wurden morgens in der Nähe der Jurten festgehalten damit die Muttertiere Abends alleine von der Weide wieder zurück kamen. Echt knuffige Tiere – zumindest die kleinen.
🙂 und am ersten Morgen wurden wir mit Traumwetter und Frühstück mit frischem Yak-Yoghurt vor unserer Jurte begrüsst.
Unser Camp bestand aus mehreren Jurten (im Foto alle in einer Reihe) und war in einem Ail mit angesiedelt. Ein Ail bezeichnet die Jurten einer Groß-Familie (Brüder, Schwager, …). D.h. Alle Jurten die ihr dort seht gehörten zu unserem Ail und bis zum Schluss kannten wir mehr oder minder alle Tuwas in unserem Ail.
Am ersten Tag war erst mal ausruhen angesagt, jedoch durften wir gleich zuschauen wie Leder geräuchert wurde. Unter den Plastikplanen hängt das Leder auf einem Gestell, von unten wird feucht warm geräuchert wodurch das Leder wasserfest wird. Aus dem Leder werden später Säcke für die Milchverarbeitung genäht die dann 20 (!!) Jahre halten. Für das Räuchern wird alle 4 Tage das Leder gedreht und dabei mit Schafsschwanzfett gut eingefettet. Ich habe gesehen wie es gemacht wurde, hatte nur an dem Tag leider keine Kamera dabei. Es war fast ein kleines Fest, die ganze Familie half mit, wie bei fast allen größeren Aktivitäten wird den Geistern Opfer in Form von Gebäck, Tabak, Schnaps gebracht, meist auch noch mit Wacholder geräuchert und nachdem zunächst die Geister die erste Runde erhalten geht die nächste Runde an alle die mitgeholfen haben 🙂

Außerdem wurden noch unsere Pferde für unsere Ausritte gefangen. Wir durften auch gleich lernen, dass die Motorräder locker drei Erwachsene transportieren können. Leider auch kein Foto davon – ich saß mit drauf. Ich habe aber bei einer Frau auch ein Foto gesehen auf dem sie zu fünft (!!! JA !!!) auf einem Motorrad saßen. Eine ganze Familie mit Kindern. Das zweite Pferd von links war später meines. 🙂 auf meine Frage ob die Pferde Namen haben kam die Antwort Ja, nach ihrer Farbe…. Hmmm…. mußte passen… in meinen Augen waren sie doch alle braun. Aber braun ist wohl nicht braun, ich habe mir die mongolischen (vielleicht waren es auch Tuwinischen Namen) jedoch nicht gemerkt. Meiner hatte außerdem den Spitzname Kehlkopfsänger weil er immer so seltsame Geräusche machte. Später habe ich ihn allerdings immer nur noch liebevoll Sturkopf genannt, denn er wollte nie langsam mit den anderen im Schritt mitgehen. Er ließ sich immer zurückfallen um dann im Trab wieder aufzuholen… Nun denn, ich konnte ihn bis zum Schluss nicht davon abhalten.

Nach getaner Arbeit die Männer beim Rauchen. Der Junge mit dem braunen Pulli ist Ögileij, 22 Jahre und Taubstumm. Irgendwie haben sich alle zusammen eine eigene Gebärdensprache angewöhnt und besser als dort kann man sich Integration nicht vorstellen. Er ist überall dabei, ist später mit uns ausgeritten, hat eine herzliche Ausstrahlung und immer lachende Augen, die kleineren Kinder respektieren ihn als „großen“. Er flirtet mit den jüngeren Mädels die in der Küche bei uns geholfen haben. Es war wunderschön mit anzusehen.
Im Hintergrund, die grünen Häuschen waren unsere Toiletten. Eine sogar eine richtige Bio-Toilette die man zumachen konnte. Allerdings war sie immer abgeschlossen da es bereits diverse Bedienfehler bei Benutzung durch die Normaden gab. Mir war das Auf- und Abschließen zu mühsam und nach kurzer Eingewöhnungsphase fand ich die Plumpsklos eh schöner. Rund herum Sichtschutz, rückwärts auf den zwei Bretter einparken und dabei gut sicherstellen dass nix aus der Hosentasche rausfallen kann…, nach oben und nach vorne offen. Und so war man auch beim durchaus wichtigen Geschäft mitten im Leben mit dabei. Vor einem Traumlandschaft, ab und zu fuhren Motorräder vorbei, Menschen winkten dir auf die Entfernung, ab und zu kamen Yaks auf dich zugerannt und bogen kurz vor dir dann doch ab. So bekommt auch dieses Geschäft irgendwie eine ganz geerdete Normalität. Zum Thema Toilette gab es auch eine schöne Geschichte von einem Normanden den Galtei zu sich nach Ulan Bator eingeladen hatte weil er dort etwas erledigen mußte. Das große Problem: er meinte er könne nicht bleiben weil er doch nicht sein Geschäft in eine saubere weiße Porzellanschüssel verrichten könne. Das ginge nicht. Die Lösung: In der Nähe gab es einen Stadtteil mit Jurten und Plumpsklos und der Mann fragte Bewohner dort, ob er in der Zeit gegen etwas Geld deren Plumpsklos nutzen könnte Die Geschichte klingt erst mal irritieren, aber wenn man eine Zeit dort gelebt hat fängt man an es zu verstehen.

Ein paar Tage später wurden die Hufe der Pferde beschlagen.

Wir waren bei fast allen Familien in unserem Ail der Reihe nach zum Essen eingeladen. Hier bei Toya und ihrem Sohn Anton der in Ulan Bator studierte und super englisch sprach. Das 1.Foto am Tisch in der Jurte ist zwar nicht besonders gut geworden, aber man erkennt trotzdem den wirklich üppig gedeckten Tisch. Es gab immer diverse gebacke Teig- und Brotvarianten, sehr sehr leckeren Milchrahm, Butter, Marmelade, Kekse, Süßes, getrockneter „Quark“ (mehr dazu beim nächsten Bild). Da wir meist nicht vor 14h (es konnte auch mal 16h werden) zum Essen gingen und Frühstück immer schon gegen 8h war hatten wir verwöhnte Städter durchaus Hunger. Daher war es für mich eine unlösbare Aufgabe, mir nicht schon bei der „kalten Vorspeise“ den Bauch vollzuschlagen wissend, dass es danach noch etwas warmes gab.
Der Ofen und das Kochen in der Jurte war für mich faszinierend. Kaum vorstellbar mit wie wenig Gefäßen eine Fülle unterschiedlicher Gerichte gezaubert wurde. Der Ofen wird übrigens meist mit Yak-/ Kuhdung geheizt. Es gab auch Holz, aber das ist kostbar da es dort im Tal selbst kein Holz gab und von weiter weg her transportiert werden musste. Es hört sich erst etwas ekelig an, aber es stinkt null. Der Dung wird, wenn er von oben getrocknet ist mit dem Schuh umgedreht (geht problemlos, man gewöhnt es sich später beim Spazieren gehen an) und wenn er ganz getrocknet ist eingesammelt. Er erbringt keine so große Heizleistung wie Holz, brennt dafür länger. Die Steigerung ist wohl der gemischte Ziegen- und Schafs-Dung der im Winterlager entsteht wenn alle auf engem Raum stehen und die Tiere ihren eigenen Dung feststampfen. Das scheint fast so gut zu heizen wie Kohlebrickets. Ich weiß, es klingt etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich fand es sehr spannend, wie wirklich alles seine weitere Verwendung findet und es stinkt wirklich nicht.

Die meisten Frauen nähen, filzen, oder sticken so dass fast jedes unserer Mittagessen zu einer gleichzeitigen Shoppingtour wurde. Diese alte Frau hat einen Decke aus Murmeltierfell genäht.
Das nächste Foto zeigt, wie Milchschnaps gewonnen wird: Es wird ein Zylinder in den Topf mit der vorgegorenen Milch gestellt, oben hängt ein Topf drin, obendrauf wird eine Schüssel mit kalten Wasser gestellt. Der Alkohol steigt auf, kühlt an der kalten Schüssel ab und tropft in den eingehängten Topf, fertig. Geht ruck zuck und wir haben auch gleich den noch warmen Schnaps zum probieren bekommen nachdem jedoch der erste Schluck vor der Jurtentür den Geistern als Dank geopfert wird. Der Milchschnaps hat einen sehr geringen Alkoholgehalt, vermutlich eher wie Wein bei uns, schmeckt ok. Da ich eigentlich seit zwei Jahren nichts trinke war mir der geringe Alkoholgehalt durchaus lieb, denn alle angebotenen Schnäpse mochte ich dann doch nicht ausschlagen. Vor allem gibt es dort das schöne Ritual, dass Schnaps in eine kleine Trinkschüssel eingegossen und immer vom Ausschenker reihum einem nach dem anderen angeboten wird. Auch dabei wird natürlich der Opfer für die Geister gedacht und auch ihnen mit dem Ringfinger etwas Schnaps zugeschnippst. Nach jedem einzelnen wird wieder ein Schluck in die Schüssel eingeschenkt und dem nächsten gereicht. Immer mit der rechten Hand, die linke stützt den rechten Arm. 

Die Yak-Käserei.
Unter der Jurte wurde vor einigen Jahren dafür extra ein Keller gegraben damit der Käse dort erst einige Zeit reifen kann bevor er in den nächsten Keller in das nächste Städtlein transportiert wird. Galtai hatte seit Jahren die Idee das Projekt umzusetzen, hatte diverse Spezialisten aus Deutschland vor Ort, und in diesem Jahr, im 3. Jahr, scheint sich das Projekt selbst zu finanzieren. Die Delikatesse gibt es nur in einem 5-Sterne Hotel UND ich habe gestern noch ein Stück für meines weitere Reise geschenkt bekommen und freue mich schon auf mein erstes Yak-Käse-Lunchbrot morgen.
Auf einer Reisemesse in der Schweiz auf der Galtai war hat ihn der Schweizer Vorsitzende des dortigen Yak-Züchter-Vereins (Jawohl, den gibt es in der Schweiz) darauf angesprochen. Er war wohl fasziniert, meinte aber das würde sich dort nicht rechnen. Der nur eine Liter Milch je Yakkuh pro Tag rechnet sich nicht zu melken. Ich kann euch sagen, Käse, Milch, frischer Joghurt, frischer Rahm, alles schmeckt super lecker!!
Ach ja, was mir noch einfällt: warum gibt es dort so viele Yaks: Es ist das einzige Tier das ganz entspannt auch in Höhen über 3000m weidet. Ziegen und Schafen wird das zu hoch.

Unsere Duschkabine.
Wasser in einer Schüssel holen am Fluß und dann ab in die Freiluftkabine. Das Wasser war konstant gleich kalt (Was auch sonst bei Gletscher- und Quellwasser auf 2600…) die Frage war daher wie warm ist die Außentemperatur, wasche ich mich morgens, pokere ich auf gutes Wetter und schwimmen im See am Nachmittag… oder ist heute einfach gar kein Waschtag angesagt. Ach ja, im Fluss selbst durft man sich nicht mit Seife waschen, auch nicht mit biologischer. Die Tuwas glauben daran, dass alles in der Natur beseelt ist, so auch der Fluß. Man verschmutzt kein Wasser sonst würde man den Geist des Flusses verärgern. Außerdem ist der Fluß (der Bach) die Trinkwasserversorgung für das gesamte Tal. Es schmeckt traumhaft gut, nur im Kopf muss man das Fragezeichen ausschalten ob es gesund sein kann, wenn man doch vorher beobachtet hat, dass Yaks jegliche Art von Geschäft darin verrichten… Aber der Fluss fließt und keiner von uns hatte irgendwelche Beschwerden. Zurück zum Waschen: wie schon so oft erfahren: der Körper freut sich über einen wesentlich moderateren Seifengebrauch und gefühlt gestunken hat keiner bei uns 🙂

Die Filzerin beim Schlagen der Wolle zum Filz. Man hörte die Geräusche manchmal den gesamten Tag. Eine körperlich ziemlich anstrengende Arbeit.
Danach die Frauen des Ails gemeinsam beim Nähen eines neuen Filzdaches für eine Jurte. Wie so viele Arbeiten werden sie gemeinsam verrichtet. Wir waren herzlich willkommen und eine aus unserer Gruppe, Bärbel, hat sich sogar beim Nähen versucht.
Ich habe mich dafür ein paar Tage später getraut ein Schaf zu scheren. Damit man sieht dass ich nicht nur einen Bündel Wolle auf dem Schoß habe sind es ein paar mehr Fotos. Während Heidi, Bärbel und ich ein Schaf (noch nicht mal ganz) geschoren haben, haben die anderen fünf geschoren. Es gibt 50 Cent pro Wolle eines Schafes (!!!) Harte Arbeit.

 

Ein weiterer Blick auf unser Camp und unser Ail aus einer anderen Perspektive und ein paar Impressionen aus der näheren Umgebung.
Den großen See den ihr seht ist der Schwarze See in dem das Wasserkraftwerk gebaut werden soll und der Bach in dem ich auf einem Stein sitze soll künstlich umgeleitet werden um sowohl den riesigen See für das Wasserkraftwerk zum speisen als auch weiter alle Normaden im gesamten Tal mit Trinkwasser zu versorgen. Ein mehr wie fragwürdiges Projekt. Daher noch einmal der Hinweis dass ich mich sehr freuen würde wenn ihr die Petition unterschreiben könntet.
Auf dem Bild vom schwarzen See seht ihr im Hintergrund schneebedeckte Berge: dahinter ist bereits China. In das Grenzgebiet sind wir später noch auf einen Ausflug gefahren.

Murmeltier…. ich habe noch nie in meinem Leben so schmackhaftes Fleisch gegessen….
Ich weiß, ich weiß, es gab zu Hause viele Berichte über verseuchtes Murmeltierfleisch. Und dennoch hatte ich das Vertrauen das die Menschen hier wissen was sie tun. Die Jagd der Murmeltiere (es werden nur ausgewachsene, gesunde Tiere ohne Junge geschossen) scheint einer Geduldsprobe zu gleichen bis sie sich aus dem Loch zeigen, und dann muss der Schuss sitzen. Mit den toten Tieren wird sehr entspannt umgegangen. Wie man sieht liegt die Beute einfach in unserer Essensjurte auf dem Boden. An einem anderen Tag kam ich rein und ein kleines Mädchen spielte mit dem toten Murmeltier wie mit einem Teddi. Der Arm wurden hochgenommen und zu Boden fallen lassen, der nächste Arm… wir saßen dabei am Frühstückstisch und sie spielte so lange bis ihr Vater begann das Tier zu Häuten und in kurzer Zeit komplett auszunehmen. Jeder dort kann Tiere häuten und ausnehmen. Verarbeitet wird alles vom Tier denn ein Tier gibt nicht umsonst sein Leben.
Gekocht wird das Fleisch unter Zugabe aller Elemente: Steine aus dem Wasser werden im Feuer erhitzt und dann in den Topf mit dem Fleisch dazu getan. Gekocht an der Luft, fehlt nur noch das Element Erde, und das bringt das Murmeltier selbst mit: es trinkt übrigens kein Wasser weil es in den Höhen keines gibt und ernährt sich von vielen schmackhaften Wurzeln von Heilkräutern die dort wachsen. Das Essen wurde nur mit etwas Salz gewürzt und schmeckte dennoch herrlich schmackhaft. Es ist direkt auf Platz Eins der Fleischsorten bei mir angestiegen. Ich durfte es ganze drei mal essen. LECKER

Spontaner und ungeplanter Besuch von Tuwas aus Ulan Bator und aus Sydney die ihre Freunde und Verwandten besuchten. Ob ihnen zu Ehren oder per Zufall war noch eine weitere undefinierbare Anzahl von Tuwas zu Gast und es wurde ein langer Abend. Dank Bärbel gab es eine Gitarlele und so wurden viele Mongolische sowie Tuwinische Lieder gesungen und immer wieder wurden von uns deutsche Lieder „eingefordert“. Das gemeinsame Lieder-Repertoir war leider sehr begrenzt, sehr lustig war es aber als wir das alte Dschingis Khan Lied aus den 80ern sangen. Die kannten es alle und waren begeistert. Ein sehr feucht-fröhlicher Abend. 🙂

MEIN 50. GEBURTSTAG
Ich hatte extra auf der Herreise eine große Menge Kekse, Süßes, Trockenobst und Kaffee besorgt und wollte unsere Gruppe und die Leute rund um uns herum zum Kaffee & „Kuchen-Ersatz“ einladen. 🙂 Dank Galtai und etwas überraschend für mich kamen bereits morgens zum Frühstücken viele Normaden aus unserem Ail vorbei. Aber kein Problem, Spontanität haben wir inzwischen gelernt und der Tisch ist schnell gedeckt. Wie schon so oft zuvor wurde viel gesungen, unser Musik-Genie Bärbel hat einen Text für mich umgedichtet und ich habe ein Französisch-Deutsch-Mongolisches Geburtstagslied gesungen bekommen. Später von allen Tuwinern auch noch ein altes Tuwinisches Lied. Etwas irritiert war ich zunächst als wir ein Motorrad-Geräusch und das Mecken einer Ziege hörten und ein Tuwiner mit einer kleinen, kuscheligen lebendigen Ziege auf dem Arm eintrat. Sie wäre ein Geschenk für mich. Ein kurzer Schockmoment bei mir… ob sie etwa wegen mir geschlachtet werden soll…. Aber nein, es war symbolisch, sie lebt jetzt glücklich im Altai mit meinem Namen. Es gibt ein Bild mit mir und der Ziege auf dem Arm, aber das ist noch auf einer anderen Kamera drauf… kaum losgelassen wollte sie nicht mehr in die Kamera schauen. Im Verlauf des Vormittags bekam ich symbolisch auch noch ein weibliches Schaf geschenkt von dem Herrn der auf dem 2. Foto ganz links sitzt. Er ist fast gleichaltrige wie ich und kam später noch mal kurz vorbei und schenkte mir noch einen Beutel getrockneten Quark. Einfach nur herzlich herzig!
Nachdem unser langes wunderschönes Geburtstagsfrühstück vorbei war erfüllten sich noch zwei weitere Wünsche von mir:
JURTEN-ABBAU:
Ich hatte vor der Reise bereits die Hoffnung mitzubekommen, wie eine Jurte abgebaut wird. Und es ist einmal mehr faszinierend: Vielen Hände greifen mit an und in einer knappen Stunde ist die Jurte abgebaut. Zapp zapp zapp, drei Jurten abgebaut, auf einem LKW verladen und weg waren sie. Tja, Umzüge bei uns dauern dann doch etwas länger.
Und ein weiterer Wunsch: ZU BESUCH BEI EINEM KASACHISCHEN ADLERJÄGER:
Unser Mittagessen fand an diesem Tag in der Jurte des Adlerjägers statt, einem Freund von Galtai. Die Jurte ist wunderschön mit Kasachischen Teppichen und Wandbehängen geschmückt und damit optisch sehr unterschiedlich von den Tuwinischen Jurten. Aber auch das Essen und die Fleischzubereitung war anders, aber das wird hier zu viel zu erzählen. Nach einem sehr üppigen und langen Essen bekamen wir den Adler vorgeführt. „ADLERJÄGER“ bedeutet, dass sie mit Adlern Jagen. Eine lange Tradition bei den Kasachen, und trotzdem empfand ich es als Tierquälerei, denn der Adler ist den größten Teil des Jahres und Tages an einer Kette angeleint. Nachdem ich es dort gesehen habe hat sich mein Wunsch auf‘s große Adlerfest nach Ölgij zu fahren erledigt.
Nichts desto Trotz ein schöner Abschluss eines wunderschönen Geburtstags den ich mir schöner nicht hätte träumen können.

HAMMELKOPF und Füße
Nachdem ich beim Kasachen schon ganz mutig Hamel-Pansen (Magen), Knockenmark und Pferdespeck probiert hatte (den gekochten Darm habe ich abgelehnt) habe ich auch beim HAMMELKOPF getestet. Zunächst sollte gesagt werden: Wenn schon ein Tier geschlachtet wird soll es komplett gegessen und nichts weggeworfen werden. So ist es hier Tradition. Und Geschmack ist zugegebener Weise eine große Gewohnheitssache. Und so wurde zum Nachtisch von den dreien auf dem Bild der komplette Kopf inkl. Delikatessen wie Auge und Gehirn als auch die Beine gegessen. Ein Stück Kopfhaut mit Speck und Fleisch sowie ein Stück vom Bein habe ich probiert. Alles soll sehr kollagenhaltig sein worauf hin wir scherzten ob es ggf. ein Lifting ersetzt. Aber bei aller Motivation blieb es beim Test und wird nicht in meine Essens-Hitliste mit aufgenommen. Nichts desto Trotz hat es den dreien sehr geschmeckt.

NOCH EIN PAAR IMPRESSIONEN RUND UM UNSER CAMP HERUM
Ein großer OWOO den Galtais Großvater vor vielen vielen Jahren mit einem großen Fest errichtet hat.Auf dem zweiten Bild hinter den geduldig wartenden Pferden sieht man im Hintergrund einen schneebedeckten Berg. Das ist der große heilige Berg der Tuwiner.
Zu unserem Ail gehörte tatsächlich auch eine Ladenjurte 🙂
3-Tagesausflug in den Altai-Tavan Bogd Nationalpark mitten ins Grenzgebiet zur chinesischen Grenze.
Die Fahrt dorthin war bereits ein Abenteuer. Strömender Regen, die Piste kaum erkennbar und hätte ich selbst fahren müssen wäre ich umgekehrt. Zum Glück hatten wir unseren super Fahrer Gambold der uns sicher ans Ziel brachte. Unterwegs wurden Champions gesammelt von denen es dort riesige und sehr schmackhafte Exemplare gab (die Normaden verschmähen sie leider in ihrer Küche ebenso wie den leckeren Fisch den es an unserem Ziel im See gab, Galtai verschmäht beides zum Glück nicht und die Mädels in der Küche wissen wie man es lecker zubereitet).
Ziel bei den Ausflügen waren alte Felsmalereien sowie ein wunderschöner Wasserfall. Am Wasserfall waren wir nur noch 50 km von der Grenze entfernt weshalb wir alle Genehmigungen brauchten uns dort aufzuhalten. Auf einem der Fotos sieht man die Rangerstation und den Wachturm, vermutlich aber nur wenn man genau schaut. Das Steinmännchen hat eine Bezeichnung die ich leider vergessen habe und steht an einem Sküten-Grab, einem Naturfolk das ca. 400n Chr. im Altai gelebt hat. Die Gräber sieht man überall. Ein grobes Problem auch hier der Müll. Hier wurde er gesammelt und verbrannt sofern der Wind ihn nicht vorher wieder verteilt hat. Wie jedoch das Metall und Glas verbrennen sollte blieb mir schleierhaft.

Eine letzte Einladung zum Essen, Abends noch mal eine Einladung von uns an alle Bewohner des Ails . Es gab noch mal Murmeltierfleich, es kamen fast nur Frauen und Kinder da die Männer bei der Heuernte waren (nächster Abschnitt). Es wurde noch mal viel gesungen, nur zu Trinken gab es nicht mehr viel denn das gesamte Bier der Ladenjurte war leer gekauft.
Noch en paar letzte Impressionen bei uns im Camp, und dann hieß es leider Abschied nehmen….

Stop auf der Rückreise: die Männer waren alle seit mehreren Tagen zur Heuernte aufgebrochen. Die Arbeit ist so anstrengend dass es 3x am Tag deftiges Fleischessen gibt damit sie genug Energie haben, daher kommt auch ein Jurten-Ofen mit zum provisorischen Heu-Ernte-Zeltplatz. Und einmal mehr wird die Arbeit im Familienverbund in der Gemeinschaft erledigt.

Danach hieß es Abschied nehmen von einer traumhaften, sehr kraftvollen und unberührten Natur, zurück in die Zivilisation. Ein schwerer Abschied und eine unvergessliche Reise. Es gäbe noch viel viel mehr zu erzählen und zu zeigen, aber es wird zu viel….